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Herbstwanderung KG - 2. Klasse Hohenrain

Sommerliche Temperaturen – Aufbruch um 9.00 Uhr Richtung Kleinwangen. Unsere Kolonne dehnt sich schon nach kurzer Zeit etwa einen Kilometer wie ein in die Länge gezogener Kaugummi auseinander. Kein Problem, die Strasse ist ungefährlich. An der Verzweigung wird gewartet. Erste Pause in Kleinwangen auf dem Spielplatz. Und den Kleinwangern zeigen, dass wir heute keine «richtige» Schule haben, sondern das schöne Wetter und die Freiheit geniessen dürfen, gehört auch dazu. Falls sie uns überhaupt wahrgenommen haben.

Unterwegs sind an diesem Vormittag nur wir und ein paar Rentner. Viele Kinder grüssen artig, was dann prompt Komplimente an uns Lehrpersonen abwirft mit der Feststellung: «Gut erzogen habt ihr sie»! – Tut das gut! – «Ja, die Schule, ist heute auch nicht mehr so einfach», meint einer der Passanten, «und überhaupt, die Eltern, die mischen sich auch immer ein, oder nicht, und wie lange musst du noch, hatte gedacht, du wärst schon pensioniert». – Diese Episode wiederholt sich auf unserem Weg noch zweimal, da sind wir bei unserem Mittagsrastplatz bei der Badi Baldegg angelangt.

Viel Spektakuläres gab es unterwegs kaum, ausser dass wir die Strasse und die Bahnstrecke beim Gölpi überquerten und der Autoverkehr angehalten wurde. Ein Landwirt musste ausgerechnet neben dem Wanderweg «güllen», die Kinder rümpften die Nase: «Sie, der güllt ja noch bis in den See, die armen Fische tun uns leid».

Wir waren nicht die einzigen in dem seit dem Vortag geschlossenen Seebad, eine Klasse aus Ballwil, ein paar Fischer, drei nicht so ortskundige Frauen aus dem unteren Seetal, die enttäuscht waren, dass das Restaurant geschlossen war. Die genossen es dann aber, unsere Wandergruppe zu beobachten und mitunter die Kinder «auszufröglen», wie es ihnen gefalle in der Schule und ob die Lehrpersonen nett seien. «Manchmal schon», sagten zwei Mädchen. – «Sie, Herr Bircher, kommen Sie jetzt endlich mit uns Boccia spielen»? – «Ja, gleich»! – Darauf die Frauen: «Das hätten unsere Lehrer früher wohl kaum gemacht, es hat sich halt alles geändert» - «Früher war es nicht schlechter, aber auch nicht besser als heute», war meine kurze Antwort.

Adalbert Bircher, Klassenlehrperson

Ein kleiner, roter Rucksack auf Reisen

Herbstwanderung der Schule Kleinwangen

Eigentlich begann dieser Dienstag, der 4.September, ganz normal. Ich erwachte im Keller zwischen Wanderschuhen, Velos, Bananenschachteln und verstaubten Geräten. Aber dann öffnete sich ganz unverhofft die Kellertüre und ich wurde zusammen mit den Wanderschuhen erfasst und in die helle Wohnung gebracht. Ganz offensichtlich hatte heute jemand etwas vor mit mir, denn ich wurde mit Znüni, Getränken, einer Wurst und sonst noch allerlei für Leckereien vollgepackt. Zuoberst legte man noch ein Stück Holz.

Nachdem ich eine Weile geduldig im Gang auf meine Besitzerin gewartet hatte, wurde ich geschultert und los gings.

Ich traf auf dem Schulhausplatz in Kleinwangen auf eine bunte Schar Artgenossen, die ebenfalls recht vollgepackt aussahen. Und dann ging die Wanderung los. Ein paar Grössere von uns marschierten Richtung Lieli und wanderten (das haben sie mir später, als ich neben ihnen auf dem Picknickplatz lag, erzählt) dann oben auf der Höhe Richtung Schloss Heidegg, wo sie eine Verschnaufpause machten, bevor es in einer Schlaufe bis zum Mittagsplatz weiterging.

Ich dagegen marschierte mit meinen Gspänlis relativ geradeaus Richtung Tanneggwald. Unterwegs trafen wir auf liebe Leute, die gerade am Äpfel auflesen waren. Unsere Besitzer bekamen doch tatsächlich alle einen Apfel mit auf den weiteren Wanderweg! Leider hatten auch einige Wespen Freude an den knackigen Früchten. Mit vielen Zwischenstopps und gut gelaunten Trägern ging es bei schönstem Herbstwetter immer gemütlich weiter, bis wir zu dem angepeilten Rastplatz kamen. Die Stelle war wunderschön. Ich konnte eine Grillstelle (Aha! Dafür transportierte ich also Wurst und Holz!) erkennen, bevor ich an einen Baum gelegt und wie meine farbigen Freunde geöffnet und langsam geleert wurde. Als es enger wurde, weil jetzt alle Rucksäcke den Mittagsplatz erreicht hatten, konnte ich den feinen Duft gebrätelter Würste einatmen, viel Gelächter und das Plätschern eines kleinen Baches hören und den gemütlichen Gesprächen unter Baumwipfeln lauschen. Das war ein Leben! Die Grössten unter uns bekamen sogar von einer guten Fee Dessert und Kaffee geliefert – aber darf ich das hier überhaupt verraten?!

Nach einer ganz entspannten Zeit wurde ich plötzlich wieder gepackt und an den Rücken geschnallt. Ich verabschiedete mich erneut von den Grossen, die den direkten Weg zurück ins Schulhaus Kleinwangen anpeilten und marschierte mit den Kindergärtnern in die andere Richtung. Oha! Wir hatten den Luxus, dass uns eine supertolle Schulbusfahrerin bis zum Schulhaus zurück transportierte! Herzlichen Dank!

Ja, dann konnte ich mich nur noch kurz von den anderen Rucksäcken verabschieden. Zurück Zuhause wurde ich geleert, geputzt und- schwupp- schon wieder lag ich Seite an Seite mit den gereinigten Wanderschuhen an meiner gewohnten Stelle im Keller. So konnte ich den sprudelnden Erzählungen meiner Besitzerin leider nicht mehr folgen.

Und jetzt muss ich wieder ein ganzes Jahr warten, bis ich diesen Spass erneut erleben darf.

Schade!

Bis es soweit ist, verabschiede ich mich ganz herzlich - mit einem lieben Gruss aus der Kellerecke.

Ich - der kleine, rote Rucksack

Schuljahreröffnungsfeier in Hohenrain