Nala geht als Schulhund in Pension

Als ich mich im Frühling 2005 in Kleinwangen vorstellen durfte, gab es Nala noch nicht. Ich hatte eine Vision die Förderarbeit in der Schule mit dem Einsatz eines Schulhundes zu bereichern. Ich wollte Klarheit, dass ich einen Hund mit zur Arbeit nehmen darf, bevor ich einen anschaffte. Als ich die Zusage für die Stelle als Lehrerin für Integrative Förderung (IF) bekam, ging ich auf die Suche nach der entsprechenden Hündin. Anfang Juni 2005 holte ich dann meinen Welpen ab, der dann auf der Heimfahrt zu ihrem Namen kam und bis im August sehr viel Neues kennenlernte. Im August starteten wir dann im Kindergarten und 1./2. Klasse, Nala als Junghund von 6 Monaten, die in ihre Aufgabe hineinwuchs. Jedes Jahr ging ich mit Nala in die Klassen, um den Schülerinnen und Schülern die Verhaltensregeln einem Hund gegenüber näherzubringen. Nach und nach wurde die Integrative Förderung bis in die 6. Klasse weiterentwickelt – immer mit Schulhund. Auch als die 5./6. Klasse noch im Schulhaus Lieli unterrichtet wurde, hatte ich da meinen Raum und Nala ihren Platz.

2016 wechselte ich die Rolle zur Klassenlehrerin. Somit wurde Nala ein Klassenhund. Nicht mehr im ganzen Schulhaus unterwegs, sondern im Zimmer der 1./2. Klasse daheim. Aufs immer höhere Alter war das auch eine Beruhigung.

Im letzten Schuljahr haben die Schülerinnen und Schüler miterlebt, wie es bei einem alternden Hund auch Hochs und Tiefs gibt. Sie hörte nichts mehr, so wurde die Regel, dass Nala Sichtkontakt haben muss bevor sie berührt wird, umso wichtiger. Meist war sie nur noch morgens mit dabei. Oft wurde ich an Nachmittagen gefragt, wo denn Nala sei, weil: ‘Wo Frau Burkart ist, muss auch Nala sein.’ Oder umgekehrt. Der Schulalltag ist manchmal alles andere als langsam. Nala hat viel geschlafen. Wenn ich kurz mal das Schulzimmer verliess, ist Nala sicher aufgewacht und hat nach ihrer Meisterin gesucht. Alle halfen mit, damit die «Welt wieder in Ordnung» kam. Da die Sehkraft auch nachlässt, wird sie unsicherer. Auch ihre Muskeln schwinden. Die vielen Treppen und die rutschigen Böden im Schulhaus werden zu streng. So nehme ich Nala nicht mehr in die Schule mit. Sie geht sozusagen in Pension, obwohl sie ja nie einen «Arbeitsvertrag» hatte. Die vielen Streicheleinheiten und ab und zu ein Guzi oder Würstli waren ihr Lohn in all den Jahren.

Ich mache immer noch Spaziergänge mit Nala, halt viel kürzer und langsamer. Man kann sie also im Dorf noch antreffen. Sie kann auch immer noch vor Freude herumhüpfen. Danach scheint sie jedoch Schmerzen zu haben.

Es wird erst einmal komisch sein, dass unsere Schule keinen Schulhund mehr hat. Nala hat in diesen vielen Jahren sehr viel geleistet, hat viele Türen geöffnet oder vielleicht einige ein bisschen geweckt mit ihrem Bellen, Merkfähigkeit, Konzentration und Lese- und Rechenkompetenzen gefördert. Vor allem hat sie allen gezeigt, dass jeder und jede ok ist, wie er oder sie ist. Sie hat allen Trost geschenkt, die es brauchten. Nala war schon immer Schulhündin, sie kannte nichts anderes. Die Aufgabe hat sie erfüllt. Die Bordercollie-Mischlingshündin schaute zu ihrer «Herde», ob in der Klasse, auf der Herbstwanderung, auf dem Weg zur Bibliothek, beim Gartennachmittag auf dem Pausenplatz… Das wird den Kindern, mir und vielleicht auch Nala fehlen. Eine Vision wurde Wirklichkeit, war ein Erfolg und eine lange Ära geht jetzt zu Ende.

Marianne Burkart, Klassenlehrerin 1./2. Klasse

Nala - eine Hündin an der Schule Kleinwangen

Hunde sind soziale Tiere. Sie sind geduldig, vorurteilsfrei und kontaktfreudig. Sie haben ein feines Gespür für die Sorgen und Ängste der Schüler. Sie nehmen oft vor allem mit den Kindern Kontakt auf, die etwas bedrückt. Hyperaktive Kinder werden ruhiger, Stresssymptome werden abgebaut und zurückhaltende Schüler lernen im vertrauensvollen Umgang mit dem Hund, mehr aus sich heraus zu gehen. Die Schüler verlieren Ängste vor Tieren und stärken ihr Selbstvertrauen.

Auch in einer ländlichen Umgebung ist es nicht allen Kindern ermöglicht, mit Tieren in nächster Nähe aufzuwachsen. Ein Schulhund ist gerade deswegen eine Chance.

Portrait

Nala ist eine Mischlingshündin. In ihr steckt die Ruhe des Labradors, die Schnelligkeit und Lernbegierde des Bordercollies und die Aufmerksamkeit und Treue des Appenzellers.

Im August 2005 ist Nala zusammen mit Frau Burkart an die Schule Kleinwangen gekommen. In der Integrativen Förderung hat die Hündin ihre Meisterin immer begleitet, sei es in den Klassen oder in der Gruppen- und Einzelförderung. Sie ist in ihre Aufgabe hineingewachsen. Als Begleitung auf Lehrausflügen, auf der Herbstwanderung und auf der Schulreise ist das eingespielte Team immer dabei und ein Bestandteil unserer Schulgemeinschaft.

Nala ist nach wie vor eine ruhige, freundliche und aufmerksame Hündin. Sie verfügt über einen sehr guten Gehorsam und orientiert sich stark an Frau Burkart. Sie zeigt klare Zeichen, wenn sie verunsichert ist oder etwas nicht mag. Sie respektiert auch Abweisungen wie z.B.: „Nala, jetzt hab ich keine Zeit für dich. Geh weg.“ Wenn es zu laut oder zu wild wird, dann kann sie schon mal bellen und so auf sich aufmerksam machen. Dies kommt eher selten vor, denn die Schülerinnen und Schüler machen sich meist selber gegenseitig darauf aufmerksam. Mit zunehmendem Alter zieht sich Nala öfters an ihren Platz zurück. Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass sie dort nicht gestört werden will. Die Neugier lockt sie auch wieder hervor, z.B. bei der Arbeit im Kreis.

Ende März 2009 bekam Nala 7 Junge. Auf unserer Reise im Sommer 2015 besuchten wir eine Hündin, die in der Lüneburger Heide lebt.

Wirkung des Hundes in der Schule

        ·        Der Hund fördert eine entspannte Lernatmosphäre, vermittelt     

           Freude und bewirkt bei den Kindern Neugierde für die Umwelt.

·        Der Hund fördert gegenseitige Rücksichtsnahme und Respekt.

·        Nala schafft unterschiedliche Begegnungsmöglichkeiten. Die Kinder können eine persönliche Beziehung aufbauen und lernen so Verantwortung zu tragen.

·        In der Entwicklung des Kindes kann der Hund eine wichtige Rolle einnehmen, da er das Kind bedingungslos akzeptiert, ein guter Spielgefährte ist und das kindliche Bedürfnis nach emotionaler Zuwendung befriedigt.

·        Hunde wirken als soziale Katalysatoren: ruhige Kinder und Jugendliche kommen mehr aus sich heraus, aktive nehmen sich vermehrt zurück.

·        Mit Hilfe eines Hundes wird die Motivation der Kinder zum Lernen und zum Schulbesuch verstärkt.

·        „Neutrales“ Gesprächsthema: Kinder, welche sonst nicht miteinander kommunizieren, reden miteinander über den Hund.

·         Die zwischenmenschliche Kommunikation wird optimiert.

·        Hunde üben keinen Leistungsdruck aus: sie erwarten keine Leistungen, gute Noten oder gutes Aussehen usw.

·        Die Hunde ermöglichen es den Kindern, ihre Gefühle offen zu zeigen.

·        Die Kinder lernen den Umgang mit Hunden.

·        Mit Hunden im Schulzimmer wird oftmals mehr gelacht und gescherzt. Die Arbeitsatmosphäre ist entspannter.

·        Die bedingungslose Zuneigung des Hundes vermittelt einem Kind Geborgenheit und stärkt das Selbstvertrauen.

·        Körperliche Wirkungen: Senkung des Blutdruckes, Ausschüttung von Vasopressin und Oxytocin (Oxytocin fördert das Zusammen-gehörigkeitsgefühl, das Vertrauen in andere und wirkt somit auch indirekt auf Lernbereitschaft und Konzentration).

Schulhund und Klassenhund

Während den letzten 11 Jahren waren die Hauptaufgaben an unserer Schule in der Integrativen Förderung. Jedes Jahr wurde das Thema Hund an der Schule thematisiert. Neue Schülerinnen und Schüler lernten Nala und die Regeln im Umgang mit ihr kennen. Nalas Anwesenheit half so manchem Kind mit besonderen Bedürfnissen sich auf Herausforderungen einzulassen.

Seit einigen Jahren ist Nala auch schon vermehrt in der 1./2. Klasse zu Hause. Die Fachstunden jeweils am Freitagmorgen fanden im Klassenzimmer statt. Die 1.- und 2. Klässler sind Experten im Umgang mit Nala.

Nach 11 Jahren Förderarbeit in verschiedenen Räumen des Schulhauses – sogar in Lieli waren wir tätig – werden wir im Klassenzimmer der 1./2. Klasse „sesshaft“. Frau Burkart wird jetzt Klassenlehrerin und Nala somit auch „Klassenhund“. Die Kinder lernen Nala noch intensiver kennen und können eine länger dauernde Beziehung zu ihr aufbauen, was für Kinder ohne eigenes Heimtier eine wertvolle Erfahrung ist. Was nicht heisst, dass Nala in anderen Schulzimmern ab und zu auftaucht, sei es zum Thema Hund oder um Nala als Schulhund und die Verhaltensregeln vorzustellen.

Beispiele aus dem Schulalltag

Fächerübergreifende Arbeit zum Thema Hund: Bildnerisches Gestalten und Mensch und Umwelt in der 1./2. Klasse im Schuljahr 15/16. Auseinandersetzung mit dem Körperbau des Hundes, Beobachtung von Nala als Modell. Die Schülerinnen und Schüler malten dazu ein Hintergrundbild, die Lebenswelt „ihres“ Knet-Hundes.

Sprachfördernde Situationen entstehen, indem Kinder aufgrund von Beobachtetem bei Nala einander Geschichten, Erfahrungen und Situationen mit eigenen Tieren erzählen. Oder sie ermöglicht beim Textschaffen  Türöffner zur Phantasie zu sein.

Tiergestützte Leseförderung beinhaltet verschiedene Übungen zur Entwicklung der Lesekompetenzen.

Merkfähigkeit üben beim Spiel: Das Kind versteckt ein Hundeguetzli unter einem von 3-5 Bechern und verschiebt diese noch. „Nala such!“ Weiss das Kind noch, wo das Guetzli ist?

Nala ist zu einem wichtigen Wesen an unserer Schule geworden und bestätigt Ergebnisse aus wissenschaftlichen Studien über die positive Wirkung von den vierbeinigen „Lehrern“ aus dem In- und Ausland. Es gibt im Kanton Luzern auch an anderen Gemeinden Schulhunde. Weitere Informationen zum Thema Schulhund findet man auch unter www.schulhunde-schweiz.ch

Nala - eine Hündin an der Schule Kleinwangen
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